Alpinklettern Guffert Südgrat

Zu viert ging es am 10.05.2026 auf den Guffert via Südgrat (oder auch Südkante), ca. 10SL, UIAA 5+ (nach manchen Quellen 6-), einem, wie man allerorten im www lesen kann, absoluten Klassiker.

Keine geringeren als die Hansels Dülfer und Fiechtl haben diesen 1911 erstbegangen, nachdem dort kurz vorher eine weitere Klettergröße der damaligen Zeit, Joseph Nieberl, in der Schlüsselstelle beim Versuch einer SOLObegehung abgestürzt war. Nach diesen Alpingeschichten und Namen war es natürlich unausweichlich, dass sich quasi jeder Kletterer der letzten knapp 115 Jahre dort einmal versuchen musste – also auch wir. Entsprechend ist die Route in der originalen Linie ziemlich abgespeckt, die (sanierten) Hakenabstände sind tlw. weit (wenn man die etwas verwirrende, eng gebohrte Sportklettervariante? außer acht lässt) und Klemmzeugs für zwischendurch ist nicht nur reiner Luxus.

Trotz dem Prädikat ‚viel begangen‘ waren wir jedenfalls am besagten Tage, nach ca. 2stündigem Zustieg, die ersten Aspiranten am Beginn des Südgrats und konnten diese Position auch bis zum Gipfel behaupten. Vielleicht nicht zuletzt, weil wir am Einstieg der ersten Seillänge (5-), durch geschickt zur Schau gestellte ‚Schwierigkeiten‘ deren Einstieg zu bewältigen, die auf uns folgende Seilschaft derart abschreckten, dass diese prompt wieder den Rückzug antrat? Auf jeden Fall ging es, nachdem wir unsere zwei Seilschaften zu einer ‚ein Vorsteiger, drei Nachsteiger-Prozession umorganisiert hatten, dann halbwegs flüssig weiter durch die eigentlich schönen aber anstrengenden Piaz-Klettermeter (5-!?) der 2.SL und über leichte Kletterei und Grasbänder der 3.SL zum nächsten Aufschwung. Hier folgte die Schlüssellänge (5+), erst plattig, dem Speck möglichst ausweichend und dann nach Linksquerung, vorbei an dekorativen Rostgurken, steil empor. Danach weitete sich der Grat zum Rücken, auf dem es, mal abgesehen von einer fiesen, schlecht abzusichernden Einschartung, in Gehgelände zum nächsten Felsaufschwung ging. Dieser war nett zu klettern (plattig, 4+) und versöhnte ein wenig, wohl auch, weil vom Stand oberhalb schon der Gipfel fast zum greifen war. Über Gehgelände, gespickt mit dem einen oder anderen Kraxelmeter und noch einer Stelle 4- erreichten wir diesen dann wenig später tatsächlich planmäßig noch vor 15Uhr. Nun endlich raus aus den Kletterschuhen, Pause, Brotzeit, Gipfelkuchen, Freude und Erleichterung trotz des einen oder anderen K(r)ampfes oben angekommen zu sein und die Erkenntnis, dass ein Klassiker-5er schon eine andere Nummer ist.

Zum Abschluss des gelungenen Gesamterlebnisses war uns zum Glück auch noch das Wetter wohlgesonnen, es hielt den ganzen Abstieg trocken durch und trotz ein paar Tropfen auf der Autofahrt, auch noch für die Radelpendler in Penzberg bis nach Hause.

Auf Tour Marlene, Andrea, Frédéric und Marcus