Die MTB-Racer überqueren den Alpenhauptkamm

Die mehrtägige Abschlusstour der MTB-Racer hat Tradition und gehört seit vielen Jahren fest zum Programm. Die Kids haben auch dieses Jahr wieder einen großen Leistungssprung gemacht. Bei den Freitagnachmittagsrunden in den Hausbergen der Umgebung sind wir immer um die 40 km und 1000 HM gefahren. Die Abfahrten wurden immer Trail-lastiger, auch weil inzwischen fast alle Kids stolze Besitzer von hochwertigen Fullys sind. Da war klar, daß auch die Abschlusstour etwas Besonderes werden sollte. Wir haben uns für die Überschreitung des Alpenhauptkammes vom Matrei bis Sterzing über den Brenner Grenzkamm und das Schlüsseljoch entschieden. Das sind 2 bekannte und sehr schöne Transalp-Etappen.

Freitag 21.7
Zu siebt (Jörg, Jojo, Jonas, Leon, Martin, Maxi und Niko) treffen wir uns um 12:30 bei mir zu Hause. Wir kochen Spaghetti und beladen nebenher das Auto mit den 7 Rädern. 3 finden ihren Platz auf dem Dach und 4 auf der Anhängerkupplung. Um 13:30 quetschen wir uns dazu und fahren ohne Probleme bis Matrei am Brenner. Flugs sind Räder und Fahrer startklar und wir strampeln bei schönem Wetter 350 sehr steile Höhenmeter auf der Teerstraße Richtung Maria Waldrast hinauf. Dann biegen wir nach Süden ab und es geht deutlich flacher auf schönen Trails und Forstrassen weiter. Die Wolken rund um uns herum wachsen schnell und es dauert nicht mehr lange bis es anfängt zu donnern. Wir machen im Schutz des Waldes ein bisschen Brotzeit und wollen warten bis das Gewitter vorbei ist. Aber es fängt gar nicht richtig an zu schütten und deshalb fahren wir bei leichtem Regen weiter bis wir in Steinach wieder auf die Brennerstrasse treffen. Die letzten paar Kilometer müssen wir auf der Brennersttraße bergauf treten und nach ca. 900 Höhenmetern und 30 Kilometern erreichen wir unsere Unterkunft, das Gasthaus Lamm in St. Jodok.
Schnell stellt sich heraus, daß das Gasthaus Lamm ein Volltreffer ist. Überaus nette Wirtsleute, gutes Essen, die Kids bekommen eine Art Suite mit mehreren Zimmern für sich allein. Was will man mehr ?

Samstag 22.7
Heute steht die längste Etappe der Tour an. Zuerst geht’s kurz auf der Brennerstraße bis Vinaders, dann über die Sattelberghütte auf den Sattelberg. Nach 1000 HM haben wir damit den Startpunkt des berühmten Brenner Grenzkammes erreicht. Von dort sind es bis zum Portjoch noch einmal 400 Höhenmeter. Das ist schon eine ganz schöne Herausforderung….
Die ersten 500 HM sind zügig geschafft, dann wird es immer steiler und wir schieben lange Stücke bis wir endlich auf dem Sattelberg ankommen. Kurz nach der Sattelbergalm haben wir die Reste eines Schutzwalles gegen Bergradler passiert. Den hat vor vielen Jahren ein Almbauer errichtet der als „böser Bauer“ allen Bergradlern ein Begriff ist weil er mit Kettensägen und Mistgabeln auf die verhassten Bergradler losgegangen ist. Gott sei Dank ist das kein Thema mehr weil der böse Bauer schon vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Obwohl wir das wissen machen wir große Augen als am Sattelberg eine Familie ankommt und der Mann eine Kettensäge auspackt und anlässt. Aber er will nichts von uns sondern schneidet die Latschen aus einem Weg damit der wieder besser passierbar ist. Nach einer Pause mit Kuchen geht es bei bester Aussicht über den Brenner Grenzkamm weiter. Hinter jeder Kurve gibt es was Neues zu sehen, wir passieren und besichtigen diverse Stellungen aus dem Weltkrieg, zuletzt geht es über einen Traumtrail bis zum Portjoch. Da machen wir noch einmal Pause bevor es auf die große Abfahrt geht.
„Der Trail gehört definitiv zu den Toptrails der Alpen. Anfangs schlängelt er sich unterhalb des Portjochs mit wenig Gefälle entlang. Nur wenige verblockte Stellen, sonst durchweg gut zu fahren. Im Mittelteil bekommt der Trail weichen Waldbodenuntergrund – flowiger geht es kaum….Es wird nie langweilig, es entsteht ein regelrechter Trailrausch.“
So lautet die Beschreibung der Abfahrt die ich im Internet gefunden habe. Im echten Leben fühlt sich das ganz anders an. Am Anfang geht es eher flach über Wiesen. Die sind bestimmt gut fahrbar wenn das Gras nicht so hoch ist das alle Hindernisse gut darunter versteckt sind. Dann führt ein langes Stück durch eine wilde Felsszenrie. Stürzen wäre hier absolut verboten und deshalb schieben wir fast alles. Aber auch das Schieben mit dem Radl ist an manchen Stellen schon eine Herausforderung. Wir sind froh, als wir dieses Stück heil hinter uns gebracht haben und am Schluss doch noch einen Trail mit Waldboden und viel Flow genießen können. Die letzten 10 km geht es dann über einen geteerten Radlweg nach Gossensass. Die Kids haben erstaunlicherweise noch Körner übrig und die werden jetzt in einem furiosen Endspurt eingesetzt. In der Unterkunft angekommen essen wir erst einmal ein Eis, dann geht es Duschen und anschließend sitzen wir auf der Sonnenterasse einer Pizzeria in die uns Leon geführt hat. Da kommt auch noch das Gewitter, das laut Wetterbericht schon am frühen Nachmittag hätte da sein sollen. Jetzt störts uns nicht mehr.

Sonntag 23.7.
Die letzte Etappe führt uns heute von Gossensass über die Enzianhütte auf das Schlüsselhoch, mit 2213 m der höchste Punkt unserer Tour. Der Start in Gossensass ist eher holprig weil die Batterien des GPS leer sind und wir ein bisschen brauchen bis wir den Radweg nach Brennerbad finden. Aber dann geht’s flott dahin. Der Radweg führt weit von der Straße entfernt über eine alte Bahntrasse Richtung Brenner (das sollten sich die unsere Radwegbauer mal anschauen, vielleicht würden dann sogar die autoverliebten Deutschen erkennen das ein Radweg direkt neben der Straße nicht der Königsweg ist….) Nach 900 HM erreichen wir die Enzianhütte. Die ist fest im Griff von Autofahrern und E-Bike-Piloten. Normale Bergradler gibts dort eher wenig. Aber der Kaiserschmarrn war hervorragend. Nach der Brotzeit geht es die letzten 300 Höhenmeter zum Schlüsseljoch hinauf. Das meiste müssen wir schieben weil es eher steil und unwegsam ist. Aber wir können eindeutig sehen, daß unsere Fullys den schweren E-Bikes beim Schieben deutlich überlegen sind. Die Abfahrt vom Schlüsseljoch nach Fussendraß gefällt uns allen sehr gut. Wir können alles fahren und müssen gar nicht schieben. Die letzten Höhenmeter geht es auf der Teerstraße sehr rasant nach Sterzing. Wenige Meter vor dem Ziel werden wir noch Zeuge eines Verkehrsunfalles. 50 m vor uns müssen 2 Autos ganz nach rechts ausweichen weil ein entgegenkommender Jeep trotz Gegenverkehr überholt. Eines der beiden Autos verfängt sich dabei im Straßengraben, rasiert ein Maisfeld und ein Verkehrszeichen und wird dann in eine Wiese katapultiert. Maxi und ich stürzen zu dem Unfallwagen, gottseidank scheint es keine Verletzten zu geben. Das ist spätestens klar als sich die 3 Insassen Zigaretten anzünden und ihr arg mitgenommenes Auto begutachten. Das sich der Verursacher aus dem Staub gemacht hat scheint niemanden zu überraschen. Wir räumen noch die Straße auf und fahren dann weiter. Nicht auszudenken wie das ausgegangen wäre wenn wir nur ein paar Sekunden früher dran gewesen wären….
Ich bin dann zurück nach Matrei gefahren und habe das Auto geholt. Das war wegen einem heftigen Gewitter mit Platzregen und Sturm sehr mühsam und hat auch viel länger gedauert als gedacht. Um 20:30 sind wir dann alle müde, zufrieden und wohlbehalten wieder in Penzberg angekommen.
Insgesamt haben wir ca. 3600 Höhenmeter und 110 km zurück gelegt. Natürlich gab es die eine oder kurze Schwächephase, das ist bei so langen Touren kaum zu vermeiden. Aber die Stimmung war immer gut, die Kids haben toll zusammen gehalten und es richtig Spaß gemacht

Martin & Jörg

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