Vielleicht lag es an dem attraktiven Ziel, vielleicht auch an der Werbung bei der Mitgliederversammlung oder es war einfach Zufall. Auf alle Fälle waren wir bei unserer gemeinsamen Tour an die Obere Isar fast 30 Leute. Da aber das Flussbett genügend Platz für so ein Grüppchen bietet, war das kein Problem. Los ging es in Wallgau am Parkplatz Isarsteg von wo wir auf dem Damm auf der rechten Uferseite flussabwärts gingen. Wir unterhielten uns dabei über die augenscheinlich recht dürftige Wassermenge in der Isar und die Folgen der Ableitung eines Großteils des Wassers zum Walchensee. Deutlich wurden diese beim Vergleich eines Luftbildes vor dem Bau des Kraftwerkes und eines aktuellen Luftbildes: Das Flussbett war früher vor allem grau, geprägt durch Kiesbänke und lichte Weidengebüsche. Jetzt ist es grün – zugewachsen mit Weiden, Fichten und Kiefern. Dadurch gehen die typischen Lebensräume für die Wildflussarten wie Schnarrschrecke, Kiesbankgrashüpfer, Tamariske und Kiesbrüter nach und nach verloren.
Nach dem ersten Stopp gingen wir weiter, immer Ausschau haltend nach Kiesbrütern auf der anderen Uferseite. Doch anstatt Flussregenpfeifer und Flussuferläufer flogen Bachstelze und Rabenkrähe vorbei. Weiter ging es über einen kleinen Aubach zurück auf den Forstweg. In dem beweideten Bereich waren wir dann schnell von Frühblühern umgeben. Stengelloser Enzian, Mehlprimel und Hahnenfuß zeichneten einen bunten Fleckenteppich auf das noch dürre Gras. Nachdem wir noch bis zur Weberwiese gingen war es Zeit für die Mittagspause im Schatten der Kiefern. Plötzlich aber herrschte Aufruhr: Ein Dreizehenspecht! Hoch auf einer abgestorbenen Fichte saß er und machte durch sein Klopfen auf sich aufmerksam. Eine kleine Sensation, kommt diese Art doch nur ganz selten vor in Fichten- und auch Kiefernwäldern mit hohem Totholzanteil. Hier im Bereich des Schwemmfächers des Laingrabens der vom Schöttelkar herunter zieht findet der Dreizehenspecht wegen der vielen toten Bäume also gute Bedingungen. Nach der Mittagspause ging es dann für uns weiter durch die große Freifläche der Weberwiese zurück an die Isar. Doch dort angekommen waren wir erstaunt über das ausgetrocknete Flussbett. Die Isar ist in dem Bereich versickert, was immer wieder vorkommt. Grund dafür ist die geringe Wassermenge von nur 3 Kubikmeter pro Sekunde im Winter und 4,8 im Sommer die am Krüner Wehr abgegeben wird. Der Rest geht Richtung Walchenseekraftwerk. Dazu kommen die Kiesanlandungen, welche nach den betriebsbedingten Spülstößen am Krüner Wehr im Flussbett liegen und in denen dann die Isar weiterfließt. Einmal mehr wurde uns deutlich, dass das Flusssystem der Oberen Isar deutlich gestört ist, auch wenn es nach wie vor eine großartige Landschaft ist. Eine Landschaft die danach ruft wieder ihre natürliche Dynamik zu entfalten. Auf unserem Weg zurück, warfen wir dann noch einen Blick ins Wasser und fanden Köcherfliegenlarven- und Puppen, Eintagsfliegenlarven und Zweiflüglerlarven. Sie alle verbringen den größten Teil ihres Lebens unter Wasser, sie zerkleinern Pflanzenteile, sammeln Algen oder leben auch räuberisch. Nur für eine kurze Zeit fliegen sie dann auf um bald ihre Eier abzulegen und dann auch schon zu sterben. Nach der Erfrischung im kühlen Nass brachen wir wieder auf, zurück Richtung Penzberg.