MTB Transalp

Von See zu See: Transalp vom Walchensee zum Gardasee

 
Mit viel Sonne im Herzen, Optimismus und gut trainierten, strammen Wadln fieberten wir dem 25. August entgegen. Es startet die zweite Transalp des Alpenvereins Neuland mit insgesamt 7 Mountainbikern. Diesjährig mit zwei Neulingen und vier Wiederholungstätern, geführt und organisiert vom unserem Routinier Claus Dobmeier. Die Route führte von Urfeld am Walchensee nach Torbole am Gardasee.
 
1. Etappe: Wie am Anfang…
 
Urfeld – Jachenau – Sylvensteinsee – Fall – Aquila – Schleimsattel – Maurach
 
Für die Wiederholungstäter war es nichts Unbekanntes: Regen zum Auftakt. Davon ließen wir uns nicht abschrecken und nahmen, nach Begrüßung der, von Penzberg anfahrenden, Teilnehmer und letztem Radlcheck, Fahrt in Richtung Jachenau auf. Gerade mal „warmgefahren“ mussten wir wegen eines defekten Schaltwerkes eine Zwangspause im Regen einlegen. In Fall konnte Claus das defekte Teil am Fahrrad austauschen, das ihm von Penzberg aus gebracht wurde. Weiter verlief der Weg an dem Forsthaus Aquila und Katzenschlaglalm vorbei und zog sich zäh zum sog. Schleimsattel, westlich vom Achensee. Das Strampeln wurde uns von dem genialen Gedanken, „In unserer Unterkunft (Gasthaus Rieder) haben wir uns ein überdimensionales Schnitzel mit Pommes verdient“, erleichtert. Während das erste Etappenziel immer näher rückte, bot eine Brücke vor den vorbeiziehenden Unwettern Schutz.
 
2. Etappe: Grauer Tag – phänomenales Ziel
 
Jenbach-Fischl – Wiesing – Inntal – Zillertal Radweg nach Zell am Ziller – Ginzling – Schlegeisspeicher
 
Endlich ließ der Regen nach. Wir rollten über Wiesing hinab in das Inntal. Entlang dem Zillertaler Radweg konnten wir die, vom Unwetter entwurzelten, Bäume am Wegrand wahrnehmen. Wir verließen den lebhaften Hauptort des Tales, Zell am Ziller, und nahmen die einzige asphaltierte Straße nach Grinzling. Wir bogen nach einigen Höhenmetern links zur Einkehr im Gasthaus Breitlahner ab. Murrend verließen wir das Wirtshaus, das uns servicetechnisch nicht besonders behagte. Von der Autostraße zweigte bald ein Schotterweg rechts ab; von jetzt an waren bei leichtem Nieselregen immerhin noch gut 550 hm bis zur Dominikushütte zu bewältigen. Nach der freundlichen Aufnahme durch die Wirtsleute wurde die grandiose, 725 m lange und 131 m hohe Staumauer des Schlegeisspeichers bestaunt.
 
3. Etappe: Pfitscherjoch – Der Weg ist steinig und hart
 
Dominikushütte – Pfitscherjoch – St. Jakob – Sterzing – Aicha – Brixen – Klausen – Waidbruck – Lajen
 
Bei herrlicher Morgenstimmung und malerischem Blick auf den, mit lila Blüten umsäumten, Speichersee und den, mit Schnee überzuckerten, Bergen brachen wir dick eingepackt bei 3 °C über Null auf. Als Highlight dieser Tour zählte das Überschreiten des Pfitscher Jochs von Österreich nach Südtirol, welches sich als solches auch bestätigte. Wärmende Sonnenstrahlen und italienische Luft trieben uns in St. Jakob auf eine Hausbank eines Gasthauses, wo bereits am frühen Vormittag der erste ital. Cappuccino und eine Brettljause eingenommen wurden.
Dem Pfitschtal auswärts in Richtung Wipptal zeichneten sich unschöne Anblicke eines Unwetters ab: Schlamm- und Murenabgänge ließen riesige Steine ins Tal reißen; Felder, Häuser und Höfe wurden überschwemmt. Brücken, die wir nehmen wollten, waren weggerissen. Um die lange Tagesetappe zu meistern, fuhren wir im Windschatten bis nach Waidbruck. Um 18 Uhr, nach 95 km und einem Tages-Temperaturunterschied von 32 °C angekommen, verlautete Claus: „Nach Lajen sind noch 9 km Asphaltstraße und etwa 650 hm bei südwestlicher Sonneneinstrahlung zu absolvieren“. Die Meisten runzelten die Stirn. Die Plackerei war bei dem sehr urigen Ambiente und genialer Verköstigung im Gasthof Krone schnell vergessen. Wir amüsierten uns ausgelassen über Mathias’ Anekdote: Er kommt nach vorheriger Unterkunftserkundung bei einer Mitradlerin  am Ziel an. Als Belohnung zischt er sofort ein kühles Weißbier, räumt sein Fahrrad in die Garage und wundert sich längst, wo seine Mitstreiter abbleiben. An der Rezeption holt er den Schlüssel von dem, von Claus Dobmeier reservierten, Zimmer und es heißt: „Es sind schon welche eingetroffen“. Mathias stürzt lauthals ins Zimmer, „…ups, Fremde im Zimmer!“. Er wird stutzig und bemerkt, er ist im benachbarten Gasthof Sonne und nicht in der Krone.
 
4. Etappe: Exzellente Eindrücke am heißesten Tag (41 °C)
 
Lajen – St. Ulrich – Saltria – Dialer (alt.Hans-Paula Weg) – Mahlknechtjoch – Val Duron (Malga Micheluzzi) – Campitello di Fassa – Meida – Moena – Karerpass – Gasthof Meierei
 
An diesem Morgen bestand die Schwierigkeit den richtigen Weg aus dem Ort zu finden. Schließlich überquerten wir eine frischgemähte, steile Wiese, um auf den richtigen Weg zu gelangen. Die Straße führte uns nach St. Ulrich im Grödner Tal. Nicky, Martina, Sigi und Kirsten benutzen die Seiseralmbahn. Oben angekommen, entzückten uns die herrlichen und grandiosen Ausblicke auf eine wunderschöne, großflächige Almwiese, umwoben von der sagenhaften Bergwelt, den Geislerspitzen, Schlern, Langkofel und deren Scharte. Wir nahmen weiter Fahrt über den Hans-Paula Weg zur Mahlknechthütte auf. Claus, Mathias und Florian wollten an dem heutigen Tag die Rekordmarke von mehr als 2000 hm knacken und per Pedes hochschrauben. Sie fuhren über Saltria zu dem sehr belebten Treffpunkt. Wir stärkten uns, bevor es schiebend zum Mahlknechtjoch weiterging. Erneut wartete eine reizende Landschaft des Val Duron mit den mächtigen Felswänden, den fernen Blicken der Marmolada und des Monte Pelmos auf uns.
In einer schatten- und kaffeespendenden Lokalität in Campitello di Fassa ruhten wir kurz, bevor es wiederum am späteren Nachmittag noch gut 600 hm auf Forststraßen zum Karerpass hinauf schlängelt. Nach kurzer Abfahrt erreichten wir den Gasthof und konnten hier unsere kulinarischen Bedürfnisse bestens zufrieden stellen.
 
5. Etappe: Wo Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen
 
Karersee – Bewaller Hof – Obereggen – Eppircher Laner – Reiter Joch – Pampeago – Stava – Cavalese – Molina di Fiemme – Casatta – Sover – Bedollo – Passo del Redebus – Palu del Fersina, Albergo Rosa Alpina
 
Gut gesättigt rollten wir nach Obereggen und weiter zum höchsten Punkt des Tages, dem Reiter Joch. Talabwärts, nach Stava demonstrierte Sigi eine artistische Einlage (Details werden respektvoll ausgelassen). Weiter rasten wir an Stava und Tesero vorbei und genossen die Fahrt entlang am Fiume Aviso nach Sover. Zum Passo Redebus hielt sich der Spaß an der, stark mit Lastwagen frequentierten Straße in Grenzen. Weiter zeigte der Thermometer 41 °C und die letzten 400 hm der Tagesetappe. Hier im unbekannten Fersental wird teilweise Deutsch gesprochen. Die deutsche Sprache wird durch ehemalige Einwanderer am Leben erhalten. So ist am Gemeindehaus zu lesen: Gamoahaos, an der Holztafel: Plakatn, Toatn und Nochrichtn.
 
6. Etappe: Ein weiteres Highlight – Kaiserjägerweg
 
Palu – Val dei Mocheni – Canezza – Pergine – Lago di Levico – Kaiserjägerweg – Lavarone Hochebene – Carbonare – Passo del Sommo – Francholini – Fondo Grande – Hotel Garni Cube
 
Vor dem Frühstück eilten einige zum gegenüberliegenden, klitzekleinen Mercato, um Brotzeit einzukaufen. Wir verließen gegen 9 Uhr das Quartier und breschten mit wärmenden Sonnenstrahlen im Nacken auf einem sehr guten Radweg ins Tal zum Lago di Levico hinab. Zwischenzeitlich säumte eine etwa 200 m lange Erdbeerplantage unseren Weg. Lecker Erdbeeren ;). Die fruchtbare Gegend von Pergine zum Kaiserjägerweg ließen Gelüste nach frischem, sonnengereiftem Obst immer größer werden. Non Stopp zog sich zäh die schmale Straße in engen Kehren 850 hm zur Passhöhe empor. Dort trennte sich die Gruppe. Die einen werden mit heißen Trails und dem lohnenswerten Gibo Simoni Marathon Weg belohnt, die anderen mit dem direkten Weg über Carbonare zum Passo del Sommo. Der weitere Weg verlief vom tiefsten Punkt Frandolini zu einem sehr verlassenem Wintersportort namens „Fondo Grande“ hinauf. Im neu erbautem Hotel Cube wurden wir im Nebeneingang freundlich empfangen und waren über die günstige (ÜF 24 €), luxuriöse (mit Erlebnisdusche ect.) Beherbergung überrascht. Wimmernd verließen wir das gegenüberliegende Restaurant nach dem äußerst reichhaltigen 4-Gänge-Menü. Hier wird der Leitsatz dieser Woche gebrochen: Keine Kalorie verlässt lebend den Tisch!
 
7. Etappe: …so auch am Ende
 
Fondo Grande – Serrada – Monte Finonchio – Roveretto – Passo San Giovanni – Tobole, Albergo Ifigenia
 
Wie sollte es anders sein. Die ganze Nacht regnete es aus Eimern und regnete am Morgen immer noch. Mit einem Hauch von Unlust zogen wir, einigermaßen wasserdicht eingemummt, los. Gemächlich zog sich ein schöner Forstweg zum Monte Finochio hinauf. Regen und Wind peitschte auf uns ein, die Kälte vertrieb uns nach kurzem Aufenthalt. Bei lausigen 7 °C zitterten wir samt Radl 1400 hm hinab, sausten mit großer Freude, es bald geschafft zu haben, auf den Passo Giovanni zu und rollten die letzten Meter nach Torbole hinab. Die Jungs ließen sich von dem scheußlichen Wetter nicht abhalten, ratterten lohnenswerte Trails hinunter und trafen letztendlich 2 h später ein.
Die dunklen Wolken am Himmel verschwinden, blauer Himmel kommt zum Vorschein. Wir stoßen mit Prosecco und Blick auf Torbole und über den See an und vergessen schnell die Strapazen.
 
Insgesamt sind wir in diesen 7 Tagen 36,20 h im Sattel gesessen, haben 511,4 km und 10600 hm zurückgelegt. Es gab weder signifikante Unfälle, noch Ausfälle. Bis auf das Schaltwerk verlief die Tour reibungslos.
Dabei waren: Nicole Nieraad, Martina Rothtauscher, Claus Dobmeier, Florian und Mathias Noack, Siegfried Kraus und Kirsten Lassig.
 

Etappe Datum Fahrzeit Strecke [km] Hm [m] Geschwindigkeit [km/h]
1 Sa. 25.08.2012 06:20:00 90,0 1650 14,3
2 So. 26.08.2012 04:30:00 66,5 1350 14,8
3 Mo. 28.08.2012 07:20:00 104,0 1600 14,2
4 Di. 28.08.2012 07:00:00 66,5 2000 9,5
5 Mi. 29.08.2012 05:00:00 69,6 1500 13,9
6 Do. 30.08.2012 05:10:00 64,0 1700 12,4
7 Fr. 31.08.2012 04:00:00 50,8 800 12,7

 
Diese Tour bewies sich wieder als exzellente und perfekt vorbereitete Tour.
Einen herzlichen Dank an Claus Dobmeier, der die genussorientierte Tour hervorragend organisiert hat. Dank auch an unsere Privatchauffeure Thomas und Alex, die uns eine kommode Rückkehr ermöglicht haben.

Martina Rothtauscherr
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